Auf der Achse des Guten

Seid ihr wahnsinnig? Was wollt ihr dort? So lässt sich die durchschnittliche Reaktion zusammenfassen, die wir auf unsere Reisepläne in der Schweiz erhalten haben. Sofern die Leute hierzulande den Iran überhaupt vom Irak unterscheiden können, existiert das Land bei vielen bloss als Klischee. Verschleierte Frauen, grimmige Männer mit Bart. Und gehört der Iran nicht auch zur Achse des Bösen, die George W. Bush nach den Anschlägen aufs World Trade Center konstruiert hat?

Da fahren wir doch lieber auf der Achse des Guten. Es ist morgens um 8 Uhr in Teheran. Die Stadt erwacht nach zwei religiösen Feiertagen wieder zum Leben. Und wie. Die Strassen sind staugeplagt. Auf den Trottoirs zu gehen, macht keinen Spass. Zu viele Leute – zudem benutzen auch die vielen Motorräder gerne das Trottoir. Logisch, auf der Strasse ist ja kein Platz. Deshalb eben fahren wir auf der Achse des Guten. Wir nehmen die Metro.

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Metro in Teheran

Metrofahren ist ein Erlebnis. Die Bahnwagen sind fahrende Bazars. Alles wird verkauft. Waschmittel, Werkzeugkoffer, Reisetaschen. Und die Leute kaufen hier tatsächlich ein. Der Junge mit den Nähsets landet an diesem Morgen einen Grosserfolg bei den Passagieren – mit einem Sonderangebot, dem sich augenscheinlich kaum jemand entziehen kann.

Uns gefällt die Metro, weil sie nicht nur ein Bazar, sondern auch ein fahrender Laufsteg ist. Die Mode wechselt. Im Süden Teherans, in den eher konservativen Stadtvierteln, tragen die Frauen viel Stoff und wenig Farbe, und bei den Männern überwiegen graue Hemden. Je nördlicher, desto bunter wird es.

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Frau in einem Café in Yazd

Modebewusste junge Frauen tragen das Kopftuch luftig auf dem Hinterkopf, bei vielen jungen Männern fallen uns die Nasenpflaster auf. Teheran gilt als Welthauptstadt der Nose Jobs, der Schönheitsoperationen an der Nase. Das Nasenpflaster ist ein Statussymbol. Es soll sogar Leute geben, die mit dem Pflaster bloss vorgaukeln, dass sie sich ihre Nase verschönern liessen. So wie bei uns vor einem Vierteljahrhundert, als Mobiltelefone noch unerschwinglich waren, Leute mit Handy-Attrappen unterwegs waren.

Die Metro ist aber auch ein Ort der netten Begegnungen. Ein Mann, ungefähr 80, kommt zu uns und sagt bloss diesen einen Satz: „Es ist schön, Sie hier zu sehen.“ Etwas, das wir auf unserer Reise in ähnlicher Form immer wieder hören. Viele Leute freuen sich darüber, Touristen aus dem Westen zu erblicken. Nicht, weil wir Devisen ins Land bringen. Sie freuen sich primär darüber, dass wir uns ein eigenes Bild über den Iran machen wollen. „Wir wissen, dass der Iran im Westen einen miserablen Ruf hat“, sagen uns unzählige Einheimische. Umso grösser ist ihre Hoffnung, dass wir, die Besucher, ein anderes, ein differenzierteres Bild des Landes nach Hause nehmen.

Darband

Wer sich auf den Iran einlässt, der merkt tatsächlich rasch, dass das Land zwar sehr wohl ein autoritärer Gottesstaat ist mit strengen Vorschriften der Mullahs. Dass vor allem junge Menschen sich aber trotzdem die Freiheit herausnehmen, in diesem Staat ihre persönliche Freiheit zu suchen. Die Mullahs mögen es beispielsweise nicht, dass sich Leute in der Öffentlichkeit vergnügen. Ein eigentliches Nachtleben gibt es deshalb nicht. Doch im Norden Teherans finden wir an unseren zwei ersten Abenden in der Stadt zwei Orte, wo ähnlich viele junge Leute den Tag ausklingen lassen wie am Basler Rheinufer. Wo sie gemeinsam essen, trinken und Wasserpfeife rauchen.

Beispielweise in Darband, wo sich einem kleinen Fluss entlang Restaurant an Restaurant reiht. Oder auf der Tabiat-Brücke. Diese Fussgängerbrücke ist eine Food-Meile mit schicken Cafés, die auch in Basel als hip gelten würden. Eine junge iranische Architektin (ja, eine Frau) hat die Brücke entworfen. Vor drei Jahren wurde sie fertiggestellt und hat sich zu einem der beliebtesten Ausflugsziele entwickelt.

Tabiat-Brücke

Diese Vergnügungsmeilen duldet das Regime. Aber junge Iraner frönen auch anderen Lastern, die streng verboten sind. Auf unserem Heimweg, am ersten Abend, riecht es an einer dunklen Strassenecke süsslich nach Haschisch. Und tatsächlich bieten uns zwei junge Männer augenzwinkernd einen Zug von ihrer Zigarette an. Auch Alkohol wird uns immer wieder offeriert.

Wir lassen aber lieber die Finger davon und trinken wohl oder übel alkoholfreies Bier (das uns schon nach drei Tagen auf den Wecker geht). Konflikte mit den Behörden möchte man als Tourist ja dann doch lieber vermeiden. Zwei Tage sind wir in Teheran. Das reicht für unseren Geschmack. Die Stadt ist zwar interessant, aber auch ein Moloch mit zu viel Verkehr. Nur schon das Überqueren von Strassen ist ein übler Spiessrutenlauf.

Blick vom Milad-Tower

Also fahren wir zum Busbahnhof mit dem Ziel: immer südwärts. In unseren zwei Wochen in Iran stellen wir fest, dass zwar recht viele westliche Touristen mittlerweile das Land bereisen, aber fast alle in geführten Reisegruppen. Dabei ist es kinderleicht, individuell zu reisen. Eben: mit dem Bus. Kaum nähern wir uns dem Busbahnhof, eilt uns bereits ein Mann entgegen, der unser Ziel wissen möchte. Kashan. Er gibt uns zu verstehen, wir sollten uns beeilen, stoppt einen bereits fahrenden Bus und verfrachtet uns in dieses Gefährt.

Drei Stunden später sind wir schon am Ziel. Kashan, eine kleine Stadt, gespickt mit historischen Bauten: Moscheen, Badehäusern, Gärten und Anwesen mit schmucken Innenhöfen, die reiche Kaufleute im 18. und 19. Jahrhundert errichten liessen. Nach der Hektik von Teheran ist Kashan eine wohltuende Oase der Langsamkeit.

Kashan

Hier kaufen wir auch eine Karte für unser Mobiltelefon, um unterwegs im Internet surfen und uns Informationen über unsere nächsten Destinationen beschaffen zu können. Man vermutete ja, dass im autoritär regierten Iran das Internet scharf zensuriert wird. Stimmt nur teilweise. Instagram gehört zur Standardausrüstung auf den Handys junger Iraner. Und auch Facebook und Twitter lassen sich mit einem technischen Kniff benutzen.

Am nächsten Tag geht es weiter. Wir nehmen ein Taxi, das uns nach Isfahan bringen soll. Unterwegs begegnen uns seltsame Schilder. Sie besagen: Fotografieren verboten. Anhalten verboten. Und vermutlich noch ganz andere Dinge, die wir aber nicht entziffern können. Unser Taxifahrer gibt uns mit Handzeichen zu verstehen, dass die Schilder ernst gemeint seien und wir die Fotokamera unbedingt in der Tasche lassen sollten. Kurz darauf fahren wir an einer Fliegerabwehrrakete vorbei. Okay, wir haben es begriffen: Besucher sind hier nicht erwünscht. Es handelt sich um die Atomanlage in Natanz. Hier wird Uran angereichert, das unter anderem für atomare Waffen verwendet werden kann. Die Anlage war ein Prestigeprojekt von ex-Präsident Mahmud Ahmedinedschad. Dessen Atompläne stellten den Iran jahrelang international ins Abseits, die Sanktionen des Westens richteten grosse wirtschaftliche Schäden im Land an. Wir sehen vor unseren Augen also ein Stück Weltpolitik – nur fotografieren dürfen wir es nicht.

Apropos Welt. Ein persisches Sprichwort sagt über unsere nächste Destination: Isfahan ist die Hälfte der Welt. Das ist natürlich eine gnadenlose Übertreibung, aber die Stadt ist wunderschön. Wir verbringen Stunden auf dem Meidan-e Emam, dem Platz des Imams. Mit neun Hektaren ist er einer der grössten Plätze der Welt.

Meidan-e Emam

Und es ist der schönste Platz, den ich je gesehen habe. Seine Funktion als Festplatz, Spielfeld, Gerichtsort und Marktplatz hat ihn zum gesellschaftlichen und kulturellen Zentrum der Stadt gemacht. Jedes einzelne Gebäude entlang des Platzes ist eine Sehenswürdigkeit. Die Königsmoschee aus dem 16. Jahrhundert. Oder der Grosse Basar, der sich vom Nordende des Platzes durch die halbe Stadt bis zur Freitagsmoschee erstreckt. Beeindruckend ist aber auch, dass der Platz noch heute als Treffpunkt für Jung und Alt in Isfahan dient. Man trifft sich zum Eis oder Tee. Familien nehmen ihre Picknick-Körbe mit. Und alle geniessen das Wasserspiel der Springbrunnen. Immer wieder merke ich, wie dankbar ich bin, dass ich hier sein darf. Eine derartige Sehenswürdigkeit würde fast überall auf der Welt von Touristenmassen überrollt. Hier dagegen kann man die Wucht und Atmosphäre des Platzes noch geniessen – und sich eines dieser göttlichen Süssigkeiten gönnen, die unter den Arkaden verkauft werden: Gaz, weisses Nougat mit Pistazien aus der Gegend.

Wir verlieben uns in diese Stadt. Auch in die Brücken Isfahans. Sie führen über den Zayandeh-Fluss. Ihre doppelstöckigen Arkadengänge laden zum Flanieren ein. Vor allem abends kommen viele Einheimische hierher, um den Sonnenuntergang zu geniessen und sich später über die prachtvoll beleuchteten Brückenbögen zu freuen. Die Brücke mit ihren vielen dunklen Ecken unter den Arkaden ist für frisch Verliebte ein idealer Ort, um sich heimlich zu treffen.

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Brücke über den Zayandeh

Viele junge Iraner nutzen auf den Brücken die Gelegenheit, um mit Touristen ins Gespräch zu kommen. Der Austausch mit ihnen ist interessant. Die jungen Leute sind gespalten. Sie sind stolz auf ihr Land mit seiner alten Kultur und auf die Gastfreundschaft. Auf ihre obligate Frage, wie uns der Iran denn so gefalle, erwarten sie denn auch eine positive Antwort. Erstaunlich offen aber kritisieren sie auch ihre Regierung. Sie biete ihnen keine Perspektive, sie habe das Land international isoliert, die Wirtschaft sei am Boden. Immer wieder wollen Iraner von uns wissen, ob sie denn in Europa Asyl bekommen würden. Wobei wir feststellen, dass die Iraner genauso wenig über Europa wissen wie ein durchschnittlicher Europäer über den Iran. Mehdi, ein Ingenieur-Student, erzählt uns mit leuchtenden Augen: Die Schweiz sei sein Traumland, er habe immer schon mal in Skandinavien leben wollen.

In Isfahan gibt es auch Unerwartetes. Christliche Kirchenlieder mitten im muslimischen Gottesstaat. Wir besuchen den armenischen Stadtteil. Er entstand im 17. Jahrhundert, nachdem der Shah Armenien erobert und einen Teil der dortigen Bevölkerung in den Iran zwangsumgesiedelt hatte. In diesem Stadtteil gibt es christliche Kirchen. In einer dieser Kathedralen stimmt eine französische Reisegruppe ein Lied an. Ein berührender Moment, wobei ich mich nicht entscheiden kann, ob ich angenehm oder unangenehm berührt sein soll. Aussergewöhnlich ist es auf jeden Fall. In all den Kirchen, die ich schon auf der halben Welt besucht habe, hat jedenfalls noch nie eine Reisegruppe ein Kirchenlied angestimmt. Warum bloss hier?

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Kirche im armenischen Viertel von Isfahan

Wir verlassen Isfahan und fahren in die Wüste. In den kleinen Ort Fahrazeh. Dort gibt es eine Unterkunft, die der Lonely-Planet-Reiseführer in den höchsten Tönen anpreist. Als wir ankommen, sind wir zunächst etwas enttäuscht. Die Zimmer sind extrem schlicht, wir schlafen auf einer dünnen Matraze am Boden. Wir haben zudem schon spektakulärere Wüsten gesehen, etwa in Namibia.

Doch je später der Abend, desto euphorischer werden auch wir. Es ist wieder einmal die Gastfreundschaft, die uns so gefällt. Die Barandaz Lodge, unsere Unterkunft, ist ein Familien-Betrieb. Am Abend essen alle gemeinsam im Innenhof, Familie und Touristen. Und es ist das beste Essen, dass wir in unseren zwei Wochen im Iran geniessen dürfen. Denn diese Klammerbemerkung muss sein: Das Essen ist das einzige, das uns im Iran enttäuscht (dabei liebe ich doch die Gewürze und die Düfte des Landes). Gefühlte hundert Fleissspiesse werden uns in all den Restaurants vorgesetzt, gefühlte hundert trockene Fladenbrote gibts zum Frühstück. Hier, in der Wüste, gibt es dagegen Hausmannskost. Herrlich.

Barandaz Lodge

Nächste Station: Yazd. Umgeben von Wüste. Wieder ein Ort, der uns in seinen Bann zieht. Es sind nicht einzelne Sehenswürdigkeiten, die Yazd zum Erlebnis machen. Es ist die Atmosphäre. Wir lassen uns durch die engen Gassen der Stadt treiben und warten gespannt darauf, was uns alles so begegnet. Kinder, die uns Seifenblasen entgegenschicken. Frauen in schwarzen Umhängen (wir merken: je südlicher im Land, desto strenger die Kleidung). Kupferschmiede, denen man bei der Arbeit zusehen kann. Verkäufer, die McDonalds-Badeschlappen an den Mann bringen wollen (ob McDonalds wohl davon weiss?).

Hier finden wir auch unser liebstes Café: Auf dem Dach des Yazd Arthouse lassen wir unsere Abende ausklingen. Das ist darum so schön, weil Yazd von oben besonders interessant anzuschauen ist. In der Stadt gibt es nämlich Klimaanlagen, die gebaut wurden, bevor es Strom gab: die sogenannten Windtürme. Sie fangen den Wind ein und leiten die frische Luft in die Gebäude. Und weil es in der Oasenstadt Yazd häufig sehr warm ist, gibt es auch besonders viele Windtürme, die man betrachten kann.

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Yazd

Und immer weiter geht es in den Süden. Wir nehmen den Bus nach Kerman – und von dort das Taxi. Wir merken, dass wir uns der Grenze nach Pakistan nähern. Es gibt plötzlich Polizeikontrollen an der Strasse. Der Grund: Über die Grenze werden Drogen in den Iran geschmuggelt. Unser Ziel sind die Shadad Kalouts. Das sind Sandformationen in der Lut-Wüste. Tagsüber ist dort die Hitze selbst zu unserer Reisezeit, im Frühling, unerträglich. Die Temperaturen steigen bis auf 50 Grad.

Glücklicherweise hat unser Taxifahrer eine Klimaanlage im Auto. Wir timen die Fahrt so, dass wir kurz vor Sonnenuntergang in den Kalouts ankommen. Es ist atemberaubend. Wir sind buchstäblich im Nirgendwo. Etwa zehn andere Touristen haben sich mit uns hierher verirrt. Sonst sieht man hier niemanden. Je nach Stand der Sonne wechseln die Felsenformationen ihre Farben. Die aussergewöhnliche Landschaft sieht aus wie in einem Star-Wars-Film.

Kalouts in der Nähe von Kerman

Noch am Abend nach dem Wüstentrip nehmen wir den nächsten Bus, Richtung Shiraz. Mit dem Nachtbus können wir uns eine Übernachtung im Hotel sparen, denken wir uns. Nur erweist es sich als äusserst schwierig, im Bus zu schlafen. Neben uns sitzt eine Frau, die ganz offensichtlich den Weltrekord im Telefonieren aufstellen möchte. Drei Stunden ohne Punkt und Komma redet sie am Handy auf ihren Gesprächspartner ein. Kaum hat sie das Telefon dann doch noch beiseitegelegt, geht plötzlich das Licht an im Bus. Polizeikontrolle. Alle werden kontrolliert, nur wir nicht. Aber das war es dann endgültig mit der Aussicht auf ein wenig Schlaf.

In Shiraz lernen wir, dass der Glaube im Iran nicht einfach bloss staatlich verordnet ist, sondern äusserst lebendig. Wir besuchen die Schah-Tscheragh-Moschee. Hier versammeln sich abends Tausende von Gläubigen. Touristen dürfen nur in Begleitung eines Angestellten der Moschee ins Innere. Es ist eindrücklich zu sehen, was den Gläubigen der Besuch der Moschee bedeutet. Immer wieder berühren sie Gegenstände, die für sie eine spezielle Bedeutung haben. Am Ende unseres Rundgangs durch die Moschee führt uns unser offizieller Begleiter in einen Raum mit der Aufschrift „Foreign Affairs“. Hier werden wir zusammen mit anderen Touristen offiziell empfangen. Wir kommen uns vor wie Staatsgäste, erhalten Tee und Gebäck offeriert und werden nach unseren Herkunftsländern befragt. Nach dem Austausch von Höflichkeiten dürfen wir dann nochmals den gewaltigen Innenhof der Moschee geniessen. Ohne offizielle Begleitung nun, aber mit der klaren Anweisung, keine Fotos mehr zu schiessen.

Schah-Tscheragh-Moschee

Lebendig ist in Shiraz aber nicht nur der Glaube, lebendig ist auch die Verehrung der Dichtkunst. Hafez, der berühmteste Dichter Persiens, ist in einem Masoleum begraben. Der Ort ist eine Pilgerstätte. Es ist berührend zu sehen, wie die Leute mit den Gedichtbänden von Hafez hierher kommen, um den Dichter zu ehren. Obwohl: Die jungen Leute bevorzugen es, Handyfotos zu schiessen, um sie dann auf Instagram zu stellen.

Als letzter Höhepunkt wartet auf uns noch das antike Persepolis. Ein Ort mit einer ähnlichen Magie wie die Akropolis in Athen. Ein Ort, der uns nochmals vor Augen führt, dass wir es in Persien, im Iran, mit einer alten Kultur zu tun haben. Ein Ort, der uns auch nochmals erklärt, warum die Iraner so stolz sind auf ihre Geschichte.

Danach geht es für uns nach Hause. Am Flughafen von Shiraz bestellen wir uns einen Kaffee und staunen nicht schlecht, als wir die Rechung präsentiert erhalten. 20 Franken pro Kaffee. Wir protestieren. Der Verkäufer findet dagegen, der Preis sei okay, schliesslich hätten wir auch noch ein Stück Kuchen dazu erhalten (das wir allerdings nicht bestellt haben). Wir sind perplex. Warum? Weil es das erste Mal in zwei Wochen Iran ist, dass wir übers Ohr gehauen werden. Dass uns jemand abzocken könnte, so wie es einem als Tourist fast überall auf der Welt widerfährt, auf diesen Gedanken sind wir hier nie gekommen.

Persepolis

Das ist es auch, was uns noch weitaus stärker als all die wunderbaren Sehenswürdigkeiten Irans von der Reise bleibt. So viel Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft wie in Iran haben wir noch in keinem anderen Land erlebt.

Da war der Architekturstudent in Shiraz, der uns die Busfahrt bezahlte, weil der Busfahrer unsere grossen Banknoten nicht akzeptierte. Da war die junge Frau, die einen zehnminütigen Umweg in Kauf nahm, um uns einen schönen Innenhof zu zeigen. Da war der alte Mann in Isfahan, der unbedingt einen Schweizer Zweifränkler für seine Münzsammlung haben wollte und uns als Gegenleistung dafür eine Stadtführung anbot. Da war der Bäcker, der uns seine Köstlichkeiten gratis offerierte.

Kinder in Yazd

Der letzte Eindruck, den wir vom Iran mitnehmen, ist übrigens dieser: Kaum hat das Flugzeug in Shiraz abgehoben, entledigen sich fast alle Frauen im Flugzeug ihres Kopftuchs. Sie unterstreichen mit dieser Geste das, was uns unzählige Iranerinnen und Iraner in den vergangenen zwei Wochen als Botschaft auf den Weg gegeben haben: Liebe Leute aus dem Westen, verwechselt doch bitte nicht die Menschen im Iran mit dem Regime der Mullahs. Nicht alles, was uns das Regime befiehlt, finden wir gut.

Wir haben das kapiert.

Fotos: Andreas Beglinger

8 Gedanken zu “Auf der Achse des Guten

  1. Kai 30. Januar 2017 / 21:31

    Hi Patrick, sehr schöner Bericht aus einem wundervollen Land. Ich habe mich an viele Dinge erinnert gefühlt und ähnliche Erfahrungen während meiner Iranreise im Oktober gemacht. Auch die Fotos finde ich toll, vor allem das vom Milad Tower (auf den ich es leider nicht mehr geschafft habe).
    Viele Grüße, Kai

    Gefällt 1 Person

  2. Tamara Lammers 31. Januar 2017 / 0:23

    Hi, auch ich Kann obriges nur best@tigen. Selbst als alleinreisende Frau one gefuehrte Gruppenreise habe ich mich Nirgendwo so wohl, sicher und willkommen gefuehlt als in den Iran… Ein Besuch in den Iran, immer gerne wieder.

    Gefällt 1 Person

    • Hildegard Hocke 31. Januar 2017 / 10:14

      Hallo,ein ganz wunderbarer Bericht. Ich werde im April in den Iran reisen.
      Jetzt ist die Vorfreude noch größere.Vielen Dank.
      Hildegard

      Gefällt 1 Person

  3. wasgesternwar 1. Februar 2017 / 10:37

    Toller Beitrag aus dem Iran. Kann eure Erfahrungen nur bestätigen. Der Iran ist ein faszinierendes Land. Ich war sogar auch in der Barandaz Lodge. Eines meiner persönlichen Highlights!

    VG
    Oliver

    Gefällt mir

  4. Pascal Ryf 26. März 2017 / 0:51

    Danke für den tollen Bericht! Wir waren letzten Herbst im Iran und können den Eindruck dieses wunderschönen und interessanten Landes nur bestätigen.
    Pascal Ryf

    Gefällt 1 Person

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