Von Riesenrädern und Gaskratern

Der Weg nach Turkmenistan führt über einen Papierkrieg. Es ist umständlich, ein Visum zu erhalten. Auch wenn wir nur drei Tage im Land verbringen wollen. Wir lassen uns helfen von Ismat, der in Usbekistan als Reiseführer sein Geld verdient und den wir von der Schweiz aus kontaktiert haben. Er stellt für uns den Antrag fürs Visum, wir liefern ihm die nötigen Dokumente. Das Problem ist: Es sind immer wieder neue Dokumente gefragt. Regelmässig meldet sich Ismat, zunehmend selber von der Bürokratie genervt, mit den Wünschen der turkmenischen Behörden.

So werden wir aufgefordert, eine Kopie unseres Universitäts-Abschlusszeugnisses nach Turkmenistan zu schicken inklusive Anschrift und Telefonnummer der Hochschule. Mit am meisten Stress verbunden ist der Wunsch, eine Bestätigung des Arbeitgebers über meine Berufstätigkeit abzuliefern. Für mich ist das heikel, weil ich bei einem Medienunternehmen arbeite und Journalisten in Turkmenistan nicht gerne gesehen sind. Also bitte ich meinen Arbeitgeber, meinen tatsächlichen Beruf auf dieser Bestätigung diskret zu verschweigen. Das macht er auch, aber: Auf der Bestätigung meines Arbeitgebers steht, dass ich bei SRF arbeite. Also hoffe ich, dass kein turkmenischer Beamter auf die Idee kommt nachzusehen, um was für ein Unternehmen es sich bei diesem SRF handelt: Schweizer Radio und Fernsehen. Ich habe Glück: Nach ein paar Wochen schickt uns unser Reiseveranstalter ein Dokument mit der Bestätigung, dass wir ein Visum erhalten, wenn wir uns am entsprechenden Schalter am Flughafen melden.

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Blick über Ashgabat

Wir fliegen mit Lufthansa von Frankfurt über Baku (Aserbaidschan) nach Ashgabat, in die Hauptstadt Turkmenistans. Fast alle Fluggäste steigen in Baku aus. Nur noch etwa 30 Leute verteilen sich auf unser Flugzeug und wollen nach Turkmenistan weiterreisen. Das beinahe leere Flugzeug zeigt uns, dass ein spezielles Land auf uns wartet.

Die ehemalige Sowjetrepublik, neben Afghanistan und Iran gelegen, wird seit dem Untergang der UdSSR autoritär regiert. Zunächst von Saparmyrat Nyyazow. Er war der letzte Chef der Kommunistischen Partei, als Turkmenistan noch eine Sowjetrepublik war. Nach der Wende nannte er sich dann plötzlich Turkmenbashi, das bedeutet: Führer der Turkmenen. Er liess sich auf Lebenszeit wählen und verwandelte das Land in einen der seltsamsten Staaten der Welt. Selber sonnte er sich in einem Personenkult nordkoreanischen Ausmasses. Er übernahm die Kontrolle der gesamten Gesellschaft und wurde zum Alleinherrscher. An Stelle der kommunistischen Ideologie trat nationalistische Propaganda.

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Statue von Turkmenbashi auf dem Neutralitätsdenkmal.

Saparmyrat Nyyazow sah sich als Philosoph und Lehrer des turkmenischen Volkes. Er veröffentlichte die Ruhnama, ein Buch mit seinen Lebensregeln und -weisheiten. Ein wirres Werk, das aber in Turkmenistan behandelt wurde wie das heilige Buch einer Religion. Die Ruhnama war Pflichtstoff in der Schule und bei Führerscheinprüfungen. Zu diesem bizarren Personenkult gehörten auch zahlreiche Statuen, die überall in der Hauptstadt aufgestellt wurden. Und zahlreiche Ortschaften wurden nach Turkmenbashi benannt. Wobei dies seine Tücken hatte: Kleinere Ortschaften wurden wieder zurückbenannt, da die inflationäre Verwendung des Ortsnamens Turkmenbashi zu Verwirrungen geführt hatte. Vor gut zehn Jahren starb Turkmenbashi schliesslich. Seit seinem Tod reagiert nun sein Zahnarzt und Gesundheitsminister, Gurbanguly Berdimuhamedow. Er pflegt den Personenkult etwas zurückhaltender, führt das Land aber immer noch diktatorisch.

Der Flughafen in Ashgabat bietet uns einen Vorgeschmack auf das, was uns in den kommenden Tagen erwartet. Er ist ganz neu, wurde erst 2016 fertig gestellt. Der Flughafen hat die Kapazität, 1600 Passagiere in der Stunde abzufertigen. Als wir ankommen, kurz vor Mitternacht, befinden sich jedoch mehr Flughafenangestellte in der Ankunftshalle als Passagiere. Der Flughafen verfügt über modernste Technologie bei der Passkontrolle: Alles ist vollautomatisch. Der Pass wird gescannt, danach das Gesicht elektronisch abgetastet, die Fingerabdrücke genommen, ehe sich die Schranken für die Einreise öffnen. Das ändert jedoch nichts daran, dass wir vor dieser automatischen Passkontrolle zunächst von Schalter A zu Schalter B und wieder zurück zu Schalter A geschickt werden, um unser Visum abzuholen. Und nach der automatischen Kontrolle nimmt ein Beamter unsere Pässe nochmals genau unter die Lupe, um sie dann von Hand abzustempeln. Schliesslich müssen wir die Pässe noch mehrmals zeigen, um überhaupt das Flughafengebäude verlassen zu dürfen.

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Statuen rund ums Unabhängigkeitsdenkmal.

In Ashgabat werden wir erwartet von Ishan. Er fährt uns mit seinem Auto in unser Hotel. Ishan ist unser Begleiter während der kommenden drei Tage. In Turkmenistan dürfen sich nur jene Touristen, die ein Transitvisum haben, frei bewegen. Da die Transitvisa aber nach einem willkürlichen System vergeben werden, haben wir uns für ein Touristenvisum entschieden. Das bedeutet, dass wir uns begleiten lassen müssen von einem Reiseführer, der für einen der offiziellen Reiseveranstalter des Landes arbeitet. Ishan ist etwa 35, er erzählt uns, er habe früher als Beamter gearbeitet. Der Büroalltag habe ihm jedoch nicht gefallen, darum sei er nun Reiseführer.

Wer sich vor der Reise schlau macht über Turkmenistan, der stösst früher oder später auf Berichte, in denen die Arbeit dieser offiziellen Reiseführer beschrieben wird. Dort ist die Rede davon, dass diese Reiseführer den Behörden jeden Schritt der Touristen rapportieren, dass sie ihnen dreimal am Tag telefonisch einen Lagebericht abgeben. Es ist auch die Rede davon, dass Geheimdienstmitarbeiter den Touristen folgen und sie beobachten. Kann sein, dass das auch bei uns der Fall ist. Wir merken jedoch nichts davon. Ishan holt uns nach unserer ersten Nacht in Turkmenistan in unserem palastartigen Hotel ab, fährt dann mit unseren Reisepässen zu den städtischen Behörden, um unsere Pässe registrieren zu lassen (wieder so eine bürokratische Schikane) und sagt uns: Erkundet doch in den kommenden zwei Stunden die Innenstadt Ashgabats auf eigene Faust.

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In den Parks sieht man bloss Frauen am Saubermachen.

Wir merken rasch: Diese Innenstadt ist anders. Anders als jede andere Stadt, die wir je gesehen haben. Sie besteht ausschliesslich aus weissen Marmorbauten, Denkmälern, vierspurigen Strassen und Parks. Wir erkundigen die grosse Grünanlage, die an den Präsidentenpalast grenzt. Wobei wir um den Palast einen grossen Bogen machen sollen, um Ärger zu vermeiden, wie uns Ishan noch auf den Weg gegeben hat. Das Gebäude zu fotografieren, ist nämlich strengstens verboten. Wir halten einen Höflichkeitsabstand zum Palast ein und spazieren durch den Park. Wir sind die einzigen Besucher, die einzigen Menschen, die sich hier nicht in offizieller Funktion aufhalten. Ansonsten sehen wir nur unzählige Wachmänner und Reinigungspersonal. Diese wegen der Hitze vermummten Frauen haben die bedauernswerte Aufgabe, einen ohnehin bereits sehr sauberen Park zu säubern. Sie polieren sogar die Verkehrsschilder der angrenzenden Strasse.

Warum ist die Innenstadt menschenleer, wo sind die ganz normalen Turkmeninnen und Turkmenen? Wir wissen es nicht. Vielleicht weiss es Ishan, unser Reiseführer. Diese Frage bekomme er immer wieder von Touristen gestellt, erzählt er. Die Antwort sei einfach: Turkmenistan habe nicht besonders viele Einwohner, darum sehe man sie in der Innenstadt halt auch nicht. Eine Antwort, die uns nur mässig überzeugt. Immerhin leben in Ashgabat mehr Menschen als in jeder Schweizer Stadt. Und dort sind die Innenstädte sogar an einem Dienstag morgens um vier Uhr noch voller als hier. Ausserdem stehen in Ashgabat ja auch unzählige protzige Marmorhäuser, alle in den vergangenen Jahren neu erstellt – sind sie denn alle menschenleer, bloss nette Fassaden? Fragen, auf die wir keine Antwort erhalten. Zumindest nicht von unserem Reiseführer.

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Breite, moderne Strassen, aber kaum Autos.

Allmählich wird uns bewusst, in was für einer Stadt wir hier gelandet sind. Das ist tatsächlich ein Potemkinsches Dorf. Die „Berliner Zeitung“ bezeichnete Ashgabat in einem Artikel treffend als „Attrappe eines modernen, luxuriösen, reichen Turkmenistans – so vollkommen, dass sie von der Wirklichkeit nicht zu unterscheiden wäre“. Eine Fassade wie jene, die Fürst Potemkin einst errichtet haben soll, bloss nicht aus Holz und Karton, sondern aus kühlem, echtem Marmor.

Ishan führt uns nun zu den Sehenswürdigkeiten am Rand der Stadt. Auch hier reiht sich eine Kuriosität an die nächste. Unsere liebste Seltsamkeit ist ein knapp 50 Meter grosses Riesenrad. Dieses habe Aufnahme gefunden ins Guinness-Buch der Rekorde, erzählt uns Ishan stolz. Es sei das grösste Indoor-Riesenrad der Welt. Ein Weltrekord, den Ashgabat wohl auch kaum jemand streitig macht. Denn Indoor-Riesenräder dünken uns jetzt mal so rein grundsätzlich nicht wahnsinnig sinnvoll. Die Aussicht durch die trüben Glasscheiben des Gebäudes ist jedenfalls – zurückhaltend formuliert – bescheiden. Wir können das beurteilen, weil die Riesenrad-Betreiber das Gerät eigens für uns in Gang setzen (auch hier sind wir die einzigen Besucher). Wir stellen fest: Die Kabinen des Riesenrads sind Made in Switzerland. Es sind Gondeln, die ansonsten in den Schweizer Bergen eingesetzt werden. Das Schild in der Riesenrad-Kabine weist uns denn auch darauf hin, dass es verboten ist, mit dem Skischuh die automatische Türe zu blockieren. Ob hier, in der Wüstenstadt, wohl jemand mit Skischuhen unterwegs ist?

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Das grösste Indoor-Riesenrad der Welt.

In die Reihe der vielen Merkwürdigkeiten in dieser Stadt passt auch das Neutralitätsdenkmal. Es war der Gipfel des Personenkults um den früheren Präsidenten Turkmenbashi. Er liess auf der Spitze des raketenförmen Denkmals eine Goldstatue von sich selbst erstellen, die sich fortlaufend nach der Sonne dreht. Sein Nachfolger hat das Denkmal mittlerweile aus dem Zentrum an den Stadtrand verbannt und die Statue dreht sich auch nicht mehr. Wobei dieser Stadtrand wohl demnächst gar kein Stadtrand mehr ist. Im Süden, dort wo sich die Statue befindet, wird nämlich immer noch fleissig gebaut. Neue Marmorgebäude entstehen. Solange, bis das natürliche Ende dieses Baubooms erreicht ist: die Kopet-Dag-Berge. Sie begrenzen die Stadt im Süden, hinter der Bergkette liegt der Iran.

Wir fahren danach an den nördlichen Stadtrand. Hier ist das alte Ashgabat. Wobei alt relativ ist. Die Stadt wurde 1948 von einem Erdbeben praktisch vollständig zerstört. Die meisten Gebäude wurden daher später gebaut. Hier, im Norden, findet sich typische Sowjet-Architektur. Plattenbauten. Hier gibt es dafür endlich normales Leben. Menschen, die einkaufen gehen. Kinder, die auf dem Trottoir spielen. Es verstärkt unseren Eindruck, dass das Stadtzentrum letztlich nur eine glitzernde Fassade ist, die in erster Linie den autoritären Herrschern und den wenigen ausländischen Besuchern gefallen soll, aber im Leben der Menschen in Ashgabat keine Rolle spielt.

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Ausserhalb Ashgabats gibt es keine Hochglanz-Häuser mehr.

Als wir schliesslich die Hauptstadt verlassen, merken wir, dass mit jedem zurückgelegten Kilometer die Strasse schlechter wird. In Downtown Ashgabat gab es vierspurige Strassen, die wie Teppiche waren. Nicht, dass es vierspurige Strassen gebraucht hätte – für den spärlichen Verkehr hätte auch eine Spur längstens gereicht. Aber die Strassen waren in einem beeindruckenden Zustand. Vor den Toren der Stadt reiht sich jedoch bald Schlagloch an Schlagloch. Und das nicht etwa auf irgendwelchen Nebenstrassen, sondern auf einer der wichtigsten Transitachsen des Landes.

Die turkmenische Regierung investiert eben nicht dort, wo die breite Bevölkerung davon profitiert. Sondern dort, wo sich die Führungscrew bewegt. Eine Tatsache, die sogar unser offizieller Reisebegleiter Ishan leise zu kritisieren wagt. Seine lapidare Erklärung dafür, dass die Infrastruktur in der Provinz verlottert, während in Ashgabat der Prunk regiert: „Unsere Politiker wohnen halt in Ashgabat.“

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Abendstimmung am Darvaza-Gaskrater.

Auf unserer Autofahrt fallen uns die vielen Gasleitungen am Strassenrand auf. Turkmenistan hat die viertgrössten Gasreserven der Welt. Weil das Land dermassen gesegnet ist mit diesem Rohstoff, wird dieser gratis an die Bevölkerung abgegeben – ebenso wie Strom und Wasser. Wobei der aktuelle Präsident diese Gratis-Abgabe derzeit gerade in Frage stellt.

Wir fahren Richtung Norden. Unser Ziel ist die Karakum-Wüste – etwa 270 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Turkmenistan ist ein Wüstenstaat, 80 Prozent seiner Fläche besteht aus Wüste. In der Karakum-Wüste befindet sich das „Tor zur Hölle“. Gemeint ist ein Krater, in dem seit mehr als 40 Jahren Flammen lodern. Das 60 Meter breite und 20 Meter tiefe Erdloch ist 1971 entstanden durch Bohrungen in einem riesigen Erdgasfeld. Als damals Gas ausströmte, beschloss man, dieses anzuzünden. Man nahm an, dass das Gas bald zu Ende sein und das Feuer erlöschen würde. Ein Irrtum.

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Netter Ort für einen Feierabend-Drink.

Da Turkmenistan eines der abgeschottetsten Länder der Welt ist und wir am Flughafen kaum Touristen gesehen haben, gehen wir davon aus, dass es nur ganz wenige Besucher gibt am Krater. Unser Reiseführer raubt uns jedoch diese Illusion. „An Spitzentagen kommen bis zu 200 Touristen zum Krater“, erzählt er. Es gebe Leute, die eigens für den Darvaza-Gaskrater nach Zentralasien fliegen. Diese Sehenswürdigkeit hat durch viele Fotos, die im sozialen Netzwerk Instagram gepostet wurden, internationale Bekanntheit erlangt.

Als wir beim Darvaza-Krater ankommen, sind jedoch bloss wenige Touristen dort. Erst im Verlaufe des Nachmittags kommen mehr und mehr Menschen. Wir staunen über den Anblick. Er ist wahrhaft atemberaubend. Der Krater ist nicht gesichert, man kann bis an dessen Rand treten. Und selber entscheiden, wie nahe man sich dem Feuer nähern möchte.

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Die einzige Möglichkeit, um in der Nähe des Kraters zu übernachten.

Was uns gefällt: Auch wenn mittlerweile offenbar immer mehr Touristen den Krater besuchen, so braucht es trotzdem weiterhin eine Portion Abenteuerlust dafür. Hotels gibt es nämlich weit und breit keine. Wer den Krater abends erleben möchte, wenn er besonders eindrucksvoll ist, der muss vor Ort im Zelt übernachten – und darf das wegen der giftigen Dämpfe nicht in unmittelbarer Nähe des Kraters tun.

Tags darauf stehen wir bereits um 6 Uhr auf. In der Dämmerung haben wir den Krater für uns ganz alleine. Ein ähnlich intensives Erlebnis wie unser Besuch des Erta-Ale-Vulkans in Äthiopien.

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Am frühen Morgen haben wir den Krater für uns alleine.

Danach fahren wir los – immer weiter Richtung Norden. Unser Ziel ist Konye-Urgench, ein Unesco-Weltkulturerbe. Zwischen dem 10. und 14. Jahrhundert hatte die Stadt eine grosse Bedeutung als Handelszentrum. Sie wurde aber zweimal weitgehend zerstört – von den Mongolen um Dschingis Khan und später noch von Tamerlans Truppen. Im Gegensatz zu den historischen Städten im Nachbarland Usbekistan wurde Konye-Urgench danach nicht mehr wieder aufgebaut. Zu sehen gibt es heute Ruinen: ein Minarett aus dem 11. Jahrhundert, ein Mausoleum aus dem 12. Jahrhundert und weitere ähnlich alte Bauten.

Wir werden im Eiltempo durch diese Sehenswürdigkeiten geschleust, weil unser turkmenischer Reiseführer ganz offensichtlich das Gefühl hat, er habe seine Aufgabe, uns zu betreuen, allmählich erledigt. Vier Stunden früher als verabredet, setzt er uns an der Grenze zu Usbekistan ab. Das ist unser nächstes Reiseziel.

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Konye-Urgench.

Und hier schliesst sich der Kreis. Wir haben unsere Reise nach Turkmenistan mit einem bürokratischen Irrsinn begonnen und wir beenden sie ebenso. Unser Reiseführer begleitet uns nicht über die Grenze, dafür hat er keine Erlaubnis. Wir verlassen sein Auto an einem Gitterzaun. Dort am Tor müssen wir unsere Pässe zeigen, dann werden wir vorbeigewinkt. Dann heisst es, in der heissen Mittagssonne rund einen Kilometer mit unseren schweren Rucksäcken durch Niemandsland zu marschieren, um den turkmenischen Grenzposten zu erreichen.

Als wir dort ankommen, müssen wir wieder unzählige Formulare ausfüllen. Vor allem aber werden unsere Rucksäcke peinlich genau untersucht. Es erschliesst sich uns zwar nicht, warum die Zöller wissen wollen, welche Medikamente in unserer Reiseapotheke sind – denn wir verlassen das Land ja. Aber wir beschliessen, die ganze Prozedur freundlich lächelnd über uns ergehen zu lassen. Wir sind darauf angewiesen, das Land verlassen zu können, da unser Visum an diesem Tag abläuft.

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Mann in Konye-Urgench.

Nach einer Dreiviertelstunde erhalten wir die nötigen Stempel in unserem Pass und dürfen aus Turkmenistan ausreisen. Nur um festzustellen, dass im Nachbarland Usbekistan die Bürokratie ähnlich anstrengend ist. Aber davon schreibe ich erst im nächsten Reisebericht. Fortsetzung folgt.

Text: Patrick Künzle. Fotos: Andreas Beglinger.

6 Gedanken zu “Von Riesenrädern und Gaskratern

  1. Michael Beglinger 20. August 2017 / 20:34

    Danke euch hierfür. Spannende Einblicke in einen für uns exotischen Ort dieser Welt. Spannend geschrieben und fotografisch professionell untermauert. Journalismus wie man ihn heute suchen muss. Bin stolz darauf, euch in der Familie zu haben.

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  2. Oceanhippie 22. August 2017 / 10:03

    Was für ein Trip. Klingt echt sehr spannend und nach einem richtigen Abenteuer! Bin schon gespannt, wie es weiter geht. Habe nämlich eine ähnliche Route im Kopf und ist ganz schön zu wissen, dass doch alles recht entspannt abläuft.
    Mich erinnert der Artikel allerdings an Reiseberichte aus Nordkorea, welche ich gelesen habe. Hätte nicht gedacht, dass diese Länder sich so verdammt ähnlich sind! 😮

    Toll geschrieben übrigens!
    Wünsche noch eine gute Reise!

    Liebste Grüße
    Lu

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  3. Chris 26. August 2017 / 5:15

    Kann mich meinen Vorpostern nur anschließen. Toller, eindrucksvoller, interessanter und lehrreicher Bericht, denn obwohl ich schon einige exotische Länder bereist habe und immer sehr an solchen Unbekannten interessiert bin, wusste ich bisher kaum etwas Turkmenistan. Danke auch für die Infos zum Visa, klingt ja nicht gerade einladend …

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  4. Helga Henschel 14. September 2017 / 14:59

    Hallo, toller Bericht. Wir waren mit einer Gruppenreise dort und in einem Programm eingebunden. Den Gaskrater hätte ich wahnsinnig gern besucht.

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